Oerlikon stiftet Nachwuchsprofessur für Terahertz-Photonik
Pfäffikon, 7. August 2008 - Der Oerlikon-Konzern stiftet für fünf Jahre eine Nachwuchsprofessur für Terahertz-(THz)-Photonik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Eingebunden in die Forschungskooperation ist das Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH), Berlin, ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft. Im Vordergrund sollen die Erforschung und Entwicklung neuer Quellen und Detektoren für Terahertzstrahlung und ihre möglichen industriellen Anwendungen stehen. Terahertzstrahlen liegen im elektromagnetischen Spektrum zwischen der Infrarot- und der Mikrowellenstrahlung. Vor allem für die Oberflächentechnik und Qualitätskontrolle könnte ihre technische Nutzung, die so genannte Terahertz-Photonik, eine bedeutende Rolle spielen.
"Die Vereinbarung zwischen den Forschungseinrichtungen und Oerlikon ist
ein wegweisendes Kooperationsmodell zwischen Wissenschaft und
Industrie", sagt Oerlikon CEO Dr. Uwe Krüger. "Wir bringen hier die
Spitzenforschung zweier weltweit renommierter Institute mit unserem
industriell führenden Engineering Know-how in der Oberflächentechnik
zusammen", so Krüger. Universitätspräsident Prof. Rudolf Steinberg
dankte den Stiftern und hob hervor: "Dass sich ausländische Stifter an
der Goethe-Universität engagieren, ist bislang noch eine Seltenheit.
Das Engagement der OC Oerlikon in unserem Fachbereich Physik zeigt
aber, dass die Goethe-Universität durchaus auch über die Grenzen
Deutschlands hinaus als attraktiver Kooperationspartner wahrgenommen
wird. Dies sollte anderen möglichen Kooperationspartnern eine
Ermunterung für eigenes Engagement sein." Die Stiftungs-Professur
entspricht einer W2-Dotierung, ist auf fünf Jahre befristet und wird
mit 400.000 Euro unterstützt. Das offizielle Berufungsverfahren wurde
vergangene Woche gestartet.
Terahertzstrahlen bewegen sich in einem Grenzbereich, den
Hochfrequenz-Empfänger fast nicht mehr, optische Sensoren aber noch
nicht abdecken. Terahertzstrahlung durchdringt viele Materialien, wirkt
jedoch aufgrund der geringen Energie ihrer Photonen - im Bereich von
wenigen Milli-Elektronenvolt - nicht ionisierend. Damit ist theoretisch
eine Vielfalt industriell und wirtschaftlich höchst interessanter
Anwendungen denkbar, etwa in der Oberflächenanalyse und
Qualitätssicherung bei der Produktion von Solarpanels, Textilen und
Kunststoffteilen oder bei der Durchleuchtung von Verpackungen. Aufgrund
der Verwandtschaft mit Radar sind Anwendungen wie die dreidimensionale
Bildgebung denkbar. Bislang stehen jedoch keine kompakten und
kostengünstigen Sender mit ausreichender Ausgangsleistung zur
Verfügung, wie sie für niedrigere Frequenzen im Mikrowellenbereich oder
höhere Frequenzen im Infrarotbereich vorhanden sind. Auch die
Empfängertechnik bedarf weiterer Entwicklung, um mit empfindlicheren
Empfängern noch schwächere Signale aufspüren zu können.
Genau hier soll die "Goethe-Leibniz-Oerlikon-Nachwuchsprofessur für
THz-Photonik" - so der offizielle Titel - ansetzen. Am Physikalischen
Institut der Goethe-Universtität bietet das Umfeld der Arbeitsgruppe
"Ultrakurzzeitspektroskopie und Terahertz-Physik", geleitet von Prof.
Dr. Hartmut Roskos, beste Voraussetzungen, dieses Themenfeld
wissenschaftlich zu erschließen. "Wir befassen uns seit langem mit
grundlegenden Fragen, die zur Verbesserung der THz-Technologie
beitragen, und haben stets auch mögliche Anwendungen verfolgt. In
beiden Richtungen werden wir durch die Stiftungsprofessur erheblich
gestärkt", erläutert Roskos. Die Universität Frankfurt stellt für die
Professur, die mit der Funktion eines Bereichsleiters am
Ferdinand-Braun-Institut verbunden ist, Räumlichkeiten und Lehrmittel
zur Verfügung.
Das Ferdinand-Braun-Institut, ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft,
ist eine der weltweit führenden Einrichtungen für anwendungsorientierte
und industrienahe Forschung in der Mikrowellentechnik und
Optoelektronik. Im Rahmen der Kooperation baut das FBH seine
Aktivitäten im Bereich Terahertz-Anwendungen weiter aus - die
Stiftungs-Professur ist mit der Leitung des neuen Geschäftsbereichs
Terahertz-Photonik am FBH verbunden. "Das ist für uns bereits die
dritte Kooperation dieser Art und Teil unserer strategischen
Ausrichtung", erläutert Prof. Dr. Günther Tränkle, Direktor des
Berliner Instituts, die Zusammenarbeit. "So vernetzen wir exzellente
Wissenschaftler renommierter Hochschulen mit unserer Expertise beim
Technologietransfer und der Umsetzung in industriell nutzbare
Anwendungen", ergänzt Tränkle. Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft,
Prof. Ernst Th. Rietschel, lobt die Initiative: "Das ist ein
wegweisendes Kooperationsmodell für die Zusammenarbeit von Wissenschaft
und Industrie." Diese Art der Nachwuchsprofessur passe überdies
ausgezeichnet zur jüngst etablierten Leibniz-Humboldt-Professur, sagt
Ernst Rietschel weiter.
Im Rahmen eines dezentral organisierten, vernetzten
Innovationsmanagements kommt der Zusammenarbeit mit den zwei weltweit
führenden Forschungseinrichtungen Beispielcharakter zu. "Die Zeit einer
zentral ausgerichteten Forschung und Entwicklung ist vorbei", betont
Dr. Andreas Widl, Executive Vice President R&D und bei Oerlikon für
die konzernübergreifende Koordination der Forschung und Entwicklung
verantwortlich. Dafür seien die Themengebiete heute zu komplex,
entwickelten sich zu schnell und benötigten für ihre Erforschung immer
höhere Aufwendungen in Laborgeräte. "Wir setzen deshalb auf die
Vernetzung mit der Spitzenforschung und gehen mit ausgewählten
Einrichtungen gezielte Kooperationen ein", so Widl. Schon in der
Vergangenheit hat sich dieser Ansatz bewährt. Der Durchbruch in der
Dünnschicht-Silizium-Technik, den Oerlikon Solar zurzeit verzeichnet,
wurde auch durch die Grundlagenforschung an dem Institut für
Mikrotechnik an der Universtität Neuchâtel ermöglicht - ebenfalls ein
enger Kooperationspartner von Oerlikon.
Um solche Erfolge künftig systematischer zu erzielen, hat der Oerlikon
Konzern sein Innovationsmanagement zu Beginn 2008 neu ausgerichtet.
Anfang des Jahres gründete das Unternehmen ein Scientific Advisory
Board (SAB), dem fünf renommierte Forscher angehören und das Oerlikon
in wissenschaftlich-technischen Fragen und Zukunftspotenzialen neuer
Technologien beratend zu Seite steht. "Innovationen sind der Schlüssel
für unsere weitere Unternehmensentwicklung", sagt Oerlikon CEO Krüger,
selbst promovierter Physiker: "Wir müssen jetzt die Projekte auf den
Weg bringen, mit denen wir in fünf Jahren Erfolge wie in der
Solartechnik wiederholen".






